Dienstag, 3. Oktober 2017

Nikó concquerit... Strasbourg-Hoerdt (228)

In Baden-Württemberg zu wohnen hat ja unter anderem den Vorteil der Nähe zu Frankreich. Bei meinem aktuellen Wohnort ist diese Nähe zwar auch eher relativ, im Vergleich zu Dortmund aber durchaus noch sehr signifikant. Und da man ja nie wissen kann, wie lange man solche Vorteile noch genießt, beschlossen wir, nachdem wir die ganze Woche schon schwer damit geliebäugelt hatten, am 1. Oktober der Rennbahn Strasbourg-Hoerdt einen Besuch abzustatten. Hatte einige Tage zuvor die Wettervorhersage noch Gummistiefel nahegelegt, wurde es dann immer besser, je näher das Wochenende rückte, schließlich sah es dann so aus:


Schwein gehabt, oder Niko gehabt, je nachdem. Da an diesem Tag natürlich auch der Arc gelaufen wurde, lief das Strasbourger Programm eher als Matinée, los ging es schon um 11.25 Uhr. Das hieß für uns dann auch, kurz nach acht loszufahren, wir wollten ja pünktlich sein und standen dann auch circa eine Stunde vor dem ersten Rennen auf der Bahn. Da war noch nix los, an der Kasse war noch nicht einmal Kleingeld eingetroffen, sodass das Personal größte Schwierigkeiten beim Verkauf der Programme hatte. Da hatte sich die Sonne übrigens noch nicht durchgesetzt.



Wir sahen uns erst einmal in Ruhe um, Essen gab es genug Auswahl, von Snacks bis zu zwei kleinen Restaurants, drei sogar, wenn man das in der Tribüne mitzählt. Der Besuch war natürlich eher überschaubar, im Laufe des Vormittags fanden sich dann doch aber einige Leute ein, sprachlich Deutsch und Französisch sehr gemischt in ähnlichen Anteilen. Ansonsten typisch französische Bahn, würde ich behaupten: zweckmäßig, nicht unbedingt schick (die Klos sind auch nicht schöner als die in Dortmund, aber das mit den Toiletten können die Franzosen ja sowieso nicht, aber dafür anderes). Insgesamt ein schöner Renntag, es gab sogar Siegerehrungen, Stimmung kam aber nicht auf, das hatte schon eher deutsches Sandbahnformat. Aber was anderes erwartet man auch nicht auf französischen Rennbahnen, es sei denn es geht gerade um Arc oder ähnliche Hochkaräter. Durchweg positiv waren die vielen Interviews der Siegerteams, das geschah nach fast allen Rennen.

Los ging es mit einer Steeplechase.

Mein Favorit, die später drittplatzierte Chacha and Rhum

Die Gastboxen, Sattelboxen gibt es übrigens keine, es wird einfach im Stall gesattelt.


Schon imposant der Graben


Überlegener Sieger nach circa einem halben Jahr Rennpause, Basko d'Airy
Deutsche Starter gab es natürlich auch, unter anderem im Zweijährigenrennen, zum Beispiel Miss Alpha aus dem Hofer-Stall:

Sie wurde allerdings nur Fünfte.

Die Tribüne vom Führring aus gesehen
Anschließend folgte ein Hürdenrennen über 4000 Meter, hier gewann der heiße Favorit Yadissime und bescherte mir einen Punkt im internen Head-to-Head-Wettstreit.

Im vierten Rennen sorgte dann Race for Fame unter Steffi Hofer im Beisein der Besitzer und zu ihrer großen Freude für den einzigen deutschen Sieg an diesem Tag.

Die Tribühne im Vollbild sozusagen.

Hürdenrennen für Dreijährige, Style de Garde auf dem Weg zum Sieg

Als achtes und letztes Rennen folgte das Highlight, ein Listenrennen der Serie Défi du Galop, dabei waren mit Sun at Work, Kashmar und San Salvador gleich drei Deutsche. Zu bestellen hatten die leider nichts. Klar, dass ausgerechnet Soleil d'Octobre gewann, das war an diesem Tag wirklich Programm. Na gut, dann hätte Sun at Work an sich auch Zweiter werden müssen, klappt also vielleicht doch nicht mit der Theorie...


Soleil d'Octobre


Soleil d'OCtobre siegt vor Alignement in den Wertheimer-Farben und dem tschechischen Gast Ventaron


Anschließend blieben wir noch in der PMU-Bar, um den Arc eine Stunde nach dem letzten Rennen  zu schauen, bevor wir uns auf den Heimweg machten.

Samstag, 30. September 2017

Niko erobert... Brotbäckerei (227)

Es ist bestimmt nicht das erste Mal, dass das Brotbacken als Titel eines Niko-Beitrags herhalten muss. Ich hatte aber keine Lust, nachzusehen, ob und wenn ja wie oft es das schon gab, daher habe ich es nicht weiter nummeriert. Die übliche Nikummerierung muss reichen. 

Es gibt ja viele Menschen - nicht nur Kinder - für die die Süßigkeitenauslagen an Supermarktkassen gefährlich sind. Dazu gehöre ich nicht. Für mich sind viel mehr die Koch- und Backzeitschriften verlockend oder waren es, bis ich mir dann irgendwann mal ein Abo zugelegt habe. Seither kann ich auch da ganz gut vorbei gehen. Ich habe aber auch eine eindeutige Lieblingszeitschrift, den Rest finde ich weniger gut. Letzte Woche stand da dann aber die Ausnahme von der Regel: Brot! Mit glutenhaltigen Backwaren bin ich immer zu kriegen... also wurde die Zeitschrift gekauft. Da unter der Woche die Zeit knapp ist und ich am Wochenende fast immer unterwegs bin, kam ich erst heute zum Ausprobieren. Der andere Grund war, dass nicht alle Zutaten im Supermarkt zu bekommen sind und hier ist es ja nicht ganz so einfach, etwas speziellere Zutaten aufzutreiben. 

Ich hatte mir natürlich gleich vier Rezepte ausgesucht, aber da ich ja nicht alles allen aufessen kann, bevor er schlecht wird, muss ich das etappenweise backen. Heute ging es los mit dem Buttermilchbrot:


Das mit dem Fotomachen fiel mir natürlich erst nach dem ersten Arbeitsschritt ein. Hier also mal (fast) alles ausgebreitet, nur den Zucker habe ich nicht dazu gestellt. Links quillt der Roggenschrot in Buttermilch, rechts hatte ich schon Weizenmehl, Reismehl und Haferflocken abgewogen. Ach, und Niko ist zum Glück nicht in den Teig gefallen-

  Nachdem der zusammengeknetete Teig eine Stunde gegangen war, sah er dann so aus. 



Danach habe ich zwei Laibe daraus geformt und es ging für ca. 50 Minuten in den Backofen. Das ist das Resultat. Das Probieren steht allerdings noch aus.

Weil ich es natürlich trotzdem nicht lassen konnte, habe ich noch Scones gebacken. Wie gut, dass Daniel nachher kommt...

Donnerstag, 14. September 2017

Notizen aus Iffezheim / Niko erobert... die Auktion (226)



Los geht's!

Freitag

Relativ spontan mit gut einer Woche Vorlaufzeit beschlossen wir, zum ersten Mal dieses Jahr nach Iffezheim zu fahren. Es muss ja schließlich genutzt werden, dass sich mein Anfahrtsweg auf unter zwei Stunden reduziert hat. Zum Glück bekam ich den Freitag frei, sodass wir uns halbwegs früh am Morgen auf den Weg machen konnten. Unter der Woche hatten wir schon fleißig den Katalog gewälzt, da konnte ja nichts schiefgehen. Leider sind die Autobahnen Richtung Baden-Baden sehr stauanfällig, A6, A 81 und A5, vom Regen in die Traufe sozusagen, aber wir kamen recht gut durch. Gegen kurz nach halb elf rollten wir dann auch auf eine der Parkwiesen nahe dem Auktionsgelände. Dort war natürlich schon High Life, aber allzu viele Lots waren noch nicht durch, ca. 20 erst. Wir schauten uns das Treiben erst einmal draußen an und sondierten die Lage nach bekannten Gesichtern. Aus unserer „Crew“ waren wir dieses Jahr leider allein, aus verschiedenen Gründen. Sehr schade übrigens. Wir schwelgten auch ganz ordentlich in den Erinnerungen an die letzte Auktion 2015. Da nahm ja die eine oder andere Entwicklung ihren Anfang 😉

40 Barbados

Kein Zweifel, das erste Mal die 100.000 geknackt.
 

Daniel war ganz gespannt auf Waldblümchen (32), die später von Trainer Dzubasz ersteigert wurde. Als es versprach, hochpreisig zu werden, gingen wir dann auch rein in die Auktionshalle. Der Zeitpunkt war gut gewählt, schon bald fiel der Hammer das erste Mal bei einem sechsstelligen Betrag, genau 100.000 € bei der Nr. 35, Zero Doubt. Ein paar Lots später, bei der 43 Corbusier freute ich mich schon, dass ich mit meinem Tipp, ihn unter die Top 10 der hochpreisigen Zuschläge zu setzen, nicht ganz falsch lag, doch sollte sich später herausstellen, dass es ein Rückkauf war. Das galt übrigens für alle drei „Top-Angebote“ von Haus Ittlingen. Sonst war bei mir v.a. Brümmerhof für diese Nummer bekannt, aber offenbar kann ich die Liste erweitern. Es ging dann in den 40er Lotnummern auch teuer weiter, aber mit 460.000 € für einen Sea the Moon-Sohn aus der nicht so aufregenden Mutterstute Favorite fand ich dann doch sehr überraschend. Das Pferd sah gut aus, aber so ein Herausgucker, wie der Preis ihn nahelegt, war er nicht. Nun ja… Interessant und nicht immer einfach war es, herauszubekommen, wer denn jetzt eigentlich gerade Gebote abgab. Bisweilen konnte man das recht gut sehen, dann wieder gar nicht. Dass der direkt vor uns sitzende Eckhard Sauren Lot Nr. 57 ersteigerte, bekamen wir erst mit, als er den Vertrag zur Unterschrift ausgehändigt bekam. Beim nächsten Mal waren wir da dann schon aufmerksamer. 

Was gibts das zu gucken? 460.000 Euro sind schon mal ein Foto wert

Kleine Stärkung gefällig?
 
Als die 80er Nummern dran waren, machten wir eine Mittagspause am Auto. Danach wollten wir uns unbedingt noch die 111 ansehen. Wenn wir uns ein Pferd gekauft hätten, wäre es der gewesen. Das hat jetzt nicht wirklich rationale Gründe natürlich. Mir war beim ersten oder zweiten flüchtigen Durchblättern durch den Katalog aufgefallen, dass zur Verwandtschaft des noch namenlosen Hengstes Lord Hill zählte, der wiederum mit Liebling verwandt ist. Kann ja kein Zufall sein, oder? :D Und dann noch der von mir hochgeschätzte Canford Cliffs als Papa… Und der Hengst war auch richtig schick, sein französischer Betreuer hätte ihn auch für uns aus der Box geholt, aber das habe ich dann doch dankend abgelehnt. Das hätte die Portokasse nicht hergegeben. Er kostete dann 24.000 €, ging wohl auch in deutschen Besitz über, vielleicht sieht man ihn ja mal wieder. 

"Unsere" 111

Wir sahen uns noch ein paar Pferde an, gingen dann aber noch einmal länger raus in die Sonne. Ansehen kann man sich die Jährlinge draußen ja auch viel besser, außerdem hatte ich den einen oder anderen Fotoauftrag zu erfüllen. Als der Katalog dann wieder hohe Zuschläge erwarten ließ, zog es uns wieder in die Halle. Pünktlich zu Lot 182 strömten dann quasi die Massen in die Halle, so viele waren an diesem Tag vorher und nachher nicht drin. So viel dazu. Der Zuschlag bei 500.000 € und der neue Name Dschingis Revenge sind das vorläufige Ende der Geschichte, die Fortsetzung wird dann womöglich im Juli 2019 folgen. Ich für meinen Teil hoffe, dass der Derbysieger 2019 nicht Dschingis Revenge heißt und betone ausdrücklich, dass ich dem Pferd rein gar nichts schlechtes wünsche. Aber dem Sport schädigendes Verhalten muss nun wirklich nicht mit einem Derbysieg belohnt werden. Aber zum Glück fließt dahin noch viel Wasser durch Rhein und Elbe.

Wir blieben bis kurz nach 19 Uhr, die Auktion sollte noch bis etwa 22 Uhr laufen. Doch wir mussten bis 21 Uhr im Hotel eingecheckt haben, also machten wir uns dann doch auf den Weg, wir verpassten auch nur noch einen sechsstelligen Zuschlag. Es war dann auch ganz gut, nicht bis ultimo gewartet zu haben, denn wie wir anschließend lernen mussten, gibt es in Baden-Baden zwei Hotels mit dem Namen Deutscher Kaiser, klar, dass wir zuerst zum falschen fuhren. Aber auch das hatte sein Gutes, denn Daniels Sport-Welt war dort gelandet. So war der Weg wenigstens nicht umsonst. Das richtige Hotel befand sich dann in der Straße, in der ich vor zwei Jahren eine Ferienwohnung hatte – sehr praktisch, da kannte ich mich dann schon etwas aus. Wir machten uns dann noch einmal zu Fuß auf in Richtung Innenstadt und aßen sehr lecker zu Abend in der Pizzeria Da Pietro, übrigens alles andere als ein klassischer Italiener, sondern etwas verquer – wer erwartet Fenchel auf der Pizza – aber echt gut. Das sah auch ein Sport Welt-Redakteur anscheinend so. 


Nachschub... vorn Lot 113
Lot 110

Der spätere Topseller, der Bruder von Dschingis Secret
  

Samstag


Endlich wieder Rennen! Den Vormittag gestalteten wir eher geruhsam, der Gedanke an einen Ausflug nach Frankreich kam uns leider etwas spät, um noch sinnvoll umsetzbar zu sein. Eine Kühlbox hatten wir auch nicht dabei, das muss beim nächsten Mal besser durchdacht werden – mal sehen, vielleicht ja schon zum Sales & Racing Festival.

In Iffezheim angekommen, schauten wir natürlich als erstes Mal in Fresszelt vorbei. Es war auch noch recht grau und kühl. A propos, so richtig „normal“ war das Wetter in Iffezheim zur Großen Woche eigentlich auch in den letzten Jahren nicht. Entweder brüllende Hitze oder strömender Regen – warum muss ich jetzt an Hamburg denken? Insofern war das Wetter an diesem Wochenende völlig unspektakulär. Gut, Samstagmorgen hatte es einmal geschüttet, aber in Baden-Baden wohl stärker als Iffezheim, aber am Nachmittag und auch am Sonntag war es entgegen der Vorhersagen trocken und meist sonnig, Der Boden war entsprechend natürlich nicht weich, lediglich lose.


Die erste Jockeysichtung war Daniele Porcu. Wenn ich es mir recht überlege, hatten die Jockeysichtungen eher prophetische „Überkreuz-Wirkung“. Daniele Porcu gewann am Sonntag mit Wonnemond in Istanbul und Andrasch Starke, erste Sichtung am Sonntag, gewann am Samstag drei Rennen. Vielleicht ist die Theorie zu überdenken. Etwas befremdlich fanden wir die „Rennbahnordnung“, die am Eingang ausgehängt war und zwar insbesondere die dort beschriebene Kleiderordnung, nämlich keine kurzen Hosen, keine Tops (?) und keine Schlappen. Den Aufruf, sich angemessen zu kleiden, finde ich ja in Ordnung, aber eine Rennbahn ist nun auch keine katholische Kirche, wenn man Tops verbietet, dürfte Frau strenggenommen auch keine ärmellosen Kleider tragen und das wäre etwas vermessen. Zumindest das Piktogramm finde ich im Rückblick fast schon unverschämt und potenziell abschreckend. Ich bezweifle, dass man sich damit einen Gefallen tut. 


Auf der Bahn standen ein paar andere Sachen rum. Ein Longines „Miet mich“ Pferdchenkarussell zum Beispiel oder neben dem Waagegebäude der Stand eines badischen Winzers, was ich für die Region sehr passend fand. Der Stand war auch immer gut besucht.  


Vom Renntag will ich im Folgenden nur noch ein paar Eindrücke schildern, er ist ja nun auch schon wieder ein paar Tage her, das meiste ist gesagt und geschrieben und die Erinnerungen sind natürlich auch nicht mehr ganz so frisch. Dreijährigenrennen sind um diese Jahreszeit ja meist nicht mehr ganz so spannend, ab und an verirrt sich natürlich der eine oder andere Gute in diese Rennen, aber die Erwartungshaltung wie zu Beginn der Saison vermag ich den Rennen nicht mehr entgegen zu bringen. Die interessanteren Pferde machten das Rennen erwartungsgemäß unter sich aus. Aus der Pause kommend gewann Wildfasan, der vor wenigen Monaten noch Derbyaspirant war, souverän und konnte seine Maidenschaft endlich ablegen. Dahinter wurde Solomeo, der beim Debüt auf zu kurzer Distanz unterwegs gewesen war, Zweiter. Für den Halbbruder von Scalo war es aber trotz der 400 Meter mehr immer noch zu kurz, behaupte ich mal. Er ist aber vielleicht auch eher was für 2018, mal sehen, ob Ittlingen ihn behält. 


Das Rennen für zweijährige Stuten war da natürlich perspektivisch spannender, auch wenn ich die Rennen für die Jüngsten nie so ganz ernst nehmen kann. Wenn man sich mal ansieht, wie sehr die Pferde zweijährig „durcheinander laufen“, finde ich das Ablesenwollen eines realistischen Leistungsvermögens schwierig. Das funktioniert natürlich auch nicht immer, wenn die Pferde älter sind, aber bei den Jüngsten geht das mitunter so wild durcheinander, dass man sich schon mal nach dem Sinn fragen kann. So viel als grundsätzliche Bemerkung. Die Damen benahmen sich allerdings, als wollten sie mich Lügen strafen, nämlich sehr professionell und zwar ausnahmslos. Leider lässt mich hier die Erinnerung an die einzelnen Mädels im Stich. 


Im folgenden Rennen war mit Sound Check ein besonderer Liebling von mir dabei. Beim Debüt als moppeliger Zweijähriger direkt ins Herz geschlossen und anschließend immer weiter beobachtet, scheint er so langsam sein ganzes Potenzial zu zeigen. Besser spät als nie, immerhin hat er beim Debüt am St. Leger-Tag vor zwei Jahren Isfahan geschlagen. Neben Sound Check gefielen vor allem Atillio, der an diesem Tag nicht sein wahres Gesicht zeigte, und Be Famous. Gegner hatte Sound Check an diesem Tag keine. 




Nach zwei Handicaps folgte der Zastrow-Stutenpreis, oft auch als Diana-Revanche betitelt und das durchaus zu recht. Zwar trat die Siegerin Lacazar nicht an, dafür aber sechs Stuten aus den Düsseldorfer Rennen, die dort die Plätze zwei, vier, fünf, sechs, sieben und zwölf belegt hatten. Favoritin wurde logischerweise die Diana-Zweite Megera. Aber auch die älteren Stuten waren fünffach vertreten, angeführt von Near England. Die beste sportliche Leistung vor dem Rennen ist auf jeden Fall Maike Riehl zugute zu halten. Die hatte eine Spurtleistung erster Güte hingelegt. Gerade das erste Rennen der Karriere gewonnen und anschließend so schnell umgezogen, dass sie im Führring schon wieder den Führzügel von Navaro Girl in der Hand hat. Zurück zum Altersvergleich: Das bessere Ende hatten aber die Dreijährigen für sich. Ashiana profitierte von ihrem enormen Speed und zog in der Geraden eindrucksvoll davon, nachdem sie im Bogen zunächst wenig Platz hatte. Diana Storm konnte sie nicht ganz halten, wurde eine knappe Länge dahinter Zweite. Dritte wurde die lange Zeit führende Erica, die ihre wohl beste Lebensleistung zeigte und Ehre für die Älteren einlegte. 
Ashiana

Schon wieder da: Maike Riehl und Navaro Girl

Eimersaufen

Lob mal so...

... und so!


Wir schauten uns natürlich auch noch die beiden letzten Rennen an, bevor wir uns abermals auf unseren eigenen Spuren von vor zwei Jahren bewegten und zum Abendessen die Geroldsauer Mühle aufsuchten. Hier muss ich allerdings anmerken, dass es mir vor zwei Jahren deutlich besser gefallen hat – zumindest im Wirtshaus. Die Speisekarte war damals deutlich einfallsreicher, mittlerweile eher Standard und wirtshaustypischer als damals. Schade, auch wenn das Essen in Ordnung war, an die Erinnerung reichte es nicht ran.



Sonntag


Es begann glücklicherweise weniger trüb und regnerisch als tags zuvor. Wir waren irgendwie früh dran mit allem. Geplant hatten wir, um spätestens 11 Uhr ausgecheckt zu haben und auf dem Weg nach Iffezheim zu sein. Wir waren jedoch schon um 10 Uhr unterwegs. Trotz Fahrt zum Bäcker und Tanken waren wir natürlich viel zu früh da. Auf dem Weg überlegten wir schon wieder, vorher noch woanders hin zu fahren, waren dafür aber dann doch zu schlecht vorbereitet und ließen es dann, zumal nachts ja leider auch keine Kühltasche vom Himmel ins Hotelzimmer gefallen war. Also Boxenstopp in der Mehrzweckhalle und dann tatsächlich Warten auf Öffnen der Tore. Die wurden tatsächlich erst um 12 Uhr aufgemacht. Dafür sichteten wir hier den ersten Jockey. Nach Einlass sondierten wir erst einmal die Lage in Bezug auf ein späteres Abendessen vor der Einfahrt. Der Schupfnudel-Stand war nicht mehr da, aber das Catering im Zelt lässt ja keine Wünsche offen. Die vegetarischen Maultaschen waren zwar später vor dem letzten Rennen ausverkauft, aber auch der Rennbahnsalat mundete. Aber das war natürlich ein paar Stunden später. Wir probierten den bereits gestern entdeckten Weinstand aus, d.h. Daniel tat es, aber probiert habe ich natürlich auch. Wenig später trafen wir dann Birgit, zumindest mal ein bekanntes Gesicht und wurden so erst einmal mit dem Neuesten von den eigenen Galoppern und Ex-Galoppern versorgt. Nebenbei war das Pferde Pferdekarussell am Sonntag nun auch in Betrieb und verblüffend gut frequentiert und das bei Weitem nicht nur von Kindern. 


Irgendwann war es dann auch endlich so weit, zuerst waren wieder die Dreijährigen gefragt im – wie könnte es anders heißen – neue welle Auftaktrennen. Auf Kildera als Siegerin wäre ich nicht gekommen, dann schon eher die immer wieder einen Bezwinger findende Be My Best, Ragazza oder Wild Cinderella, zumal die Hickst-Stute auch nicht so viel hermachte. Allerdings waren die Formen aus dem Frühjahr schon sehr gut gewesen, sodass man schon auf sie hätte kommen können. Baden-Baden ist ja normalerweise ohnehin ein gutes Pflaster für Waldemar Hickst. Dieses Mal hakte es aber abgesehen von Kildera. 


Im zweiten Rennen richteten sich aller Augen auf den 18:10-Favoriten General Cadeaux, meine auch. Als ungeschlagener sollte er sicher gute Chancen haben. Hatte er auch, er wurde Dritter, entfaltete jedoch nicht ganz die Durchschlagskraft seiner ersten beiden Starts, wobei er es in einem Ausgleich II auch nicht einfach hatte gegen die Älteren. Dorado hatte ich nicht wirklich angesehen, schön blöd eigentlich, bei der Kombination Helfenbein-Haustein sollte man immer aufpassen. Da würde mich mal die Erfolgsquote interessieren. Muss ich mal meinen Statistikfreund fragen 😉
 

Im darauffolgenden Berenberg Cup, einem Listenrennen für Stuten, hielten sich die Jaber Abdullah-Farben dafür schadlos. In diesem schwierig zu durchschauenden Rennen konnte viel passieren und bei den Wöhler-Stuten war ich mir einfach nicht sicher, welche die bessere sein würde. Daher hatte ich mich auf Guiliana verlegt, war ja auch nicht die schlechteste Idee, sie wurde als Außenseiterin immerhin gute Dritte. 

Shy Angel


Dann das Zukunftsrennen. Ich gucke immer ausnehmend gern am Führring, wenn die Zweijährigen laufen, aber bei den Rennen interessiert mich das Ergebnis sekundär, spannender finde es, mir die Rennen perspektivisch anzusehen. Und ganz und gar überhaupt nicht ab, kann ich diese Hochjubelei, wenn ein zweijähriges Pferd ein Rennen gewinnt. Bestes Beispiel ist Julio, der als Dritter ein sehr gutes Rennen lief. Aber wenn ich mich an die Kommentare nach dessen letzten Start in Köln erinnere, nur weil er ein paar Längen zwischen sich und den Zweiten legte… meine Güte, lasst doch mal die Kirche im Dorf und projiziert nicht gleich Erwartungen in das arme Pferd, denen es fast nicht gerecht werden kann. Da klingt der dritte Platz in einem Grupperennen ja schon fast wie eine Enttäuschung. Sehr gut fand ich da die Worte von Mario Hofer, der sich mit dem Resultat zufrieden zeigte. Der Sieg in diesem Rennen ging übrigens an die Röttgenerin Narella, die eine sehenswerte Leistung auf den Rasen zauberte. Wenn alles gut geht – vor dem Hintergrund des letztjährigen Siegers Navarra King sei dies gesagt – könnte sie weiterhin Ehre für ihren Vater einlegen. 

Platz zwei für Auenperle

Narella

Zur Viererwette weiß ich nichts Weltbewegendes mehr, außer, dass ich natürlich nicht getroffen habe, aber wer mein „System“ kennt, kann sich das ja ohnehin denken. Der Große Preis von Baden ist viel interessanter. Hier hatte ich wenigstens mal den richtigen Riecher, denn ich hatte Guignol getippt. Kleiner Feld und ein Pferd, das selbst sein Tempo macht, das müsste doch eigentlich gut passen, so mein Gedanke. Iquitos halt als allgemeiner Liebling hätte ich selbstreden auch toll gefunden, aber der gefiel mir schon im Führring nicht. Ich weiß nicht, ob ich da möglicherweise falsch liege, aber ich hatte Iquitos immer als coole Socke in Erinnerung. An diesem Tag war eher grell und schwitzte, das mahnte zur Vorsicht. Mit Platz zwei brach ihm natürlich kein Zacken aus der Krone, aber vielleicht war es dieses Mal nicht der wahre Iquitos. Die beiden Godolphins fand ich eher vernachlässigbar, zu Recht wie sich zeigen sollte. Colomano drehte die Form gegenüber dem Derbysieger, aber so richtig hatten die beiden Dreijährigen dann auch nichts zu bestellen. Bleibt abzuwarten, was noch kommt, aber im Gegensatz zum Ausland konnten sich die dreijährigen Hengste hier gegenüber den Älteren noch nicht recht in Szene setzen.

Ohne Worte...

Guignol

Der Chef legt selbst Hand an


Im folgenden Handicap kam es dann zu einer kleinen Kontroverse. Die Siegerin auf dem Rasen, Eudokia, zog in der Geraden über vier Walzenbreiten nach innen und kam dabei Nylon Speed ins Gehege, was wiederum zur Folge hatte, dass es auch für Lijan eng wurde. Die folgende Disqualifikation wurde mit teils kräftigen Buh-Rufen quittiert, was sich bei der Siegerehrung fortsetzte. Ziemlich daneben, die konnten ja nun auch nichts dafür. Ich hatte erst gedacht, die Rennleitung würde es beim ursprünglichen Einlauf belassen, hatte aber live nicht gesehen, dass Eudokia tatsächlich über die halbe Bahn weggebrochen war und ihr Reiter zunächst auch nichts dagegen unternahm. In Anbetracht des knappen Abstands hatte die Rennleitung aber meines Erachtens keine Wahl, zwei Galoppsprünge nicht voll durchziehen zu können, reicht da ja aus, um rennentscheidend zu sein, Berührung hin oder her. Bin mal gespannt, was bei der Berufung herauskommt.

Danach bescherte Sun at Work der bereits erwähnten Kombo Haustein/Helfenbein den nächsten Treffer. Leider war mein besonderer Freund Fort Good Hope an diesem Tag völlig indisponiert, durch Fieber und Infekt im Nachhinein aber immerhin entschuldigt. Vor dem letzten Rennen stärkten wir uns schnell noch für die anstehende Heimfahrt, bevor im letzten Rennen mit Zephir noch einmal ein zünftiger Außenseiter zuschlug. Dann sahen wir aber zu, dass wir auf die Straße kamen, umkurvten noch einen Stau und ließen dann den Abend noch gemütlich bei einem Gläschen Wein auf der Couch ausklingen. 

In the Sun: Sun at Work