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Sonntag, 3. Februar 2019

Selbsterkenntnis Lernen


Es ist mittlerweile ein paar Tage (mehr) her, dass ich zuletzt Lernen musste. Mit Lernen meine ich gezieltes Lernen für eine Prüfung, also nicht, eine Hausarbeit oder gar eine Doktorarbeit schreiben. Das sind andere Kategorien für mich. Die letzte Klausur, die ich geschrieben habe, war, wenn ich mich richtig erinnere zu Anfang des Masterstudiums in „Translation“ und das ist nun auch kein Fach, wo man Konzepte, Definitionen oder sonstiges „Inhaltliches“ lernt. Ich bin Klausuren im Studium tendenziell aus dem Weg gegangen, habe lieber Hausarbeiten geschrieben. Das hat auch einen Grund, der sich mir gerade wieder offenbart hat. Ich lerne sehr ungern auswendig. Dabei sind zwei Arten von Auswendiglernen zu unterscheiden: Gedichte auswendig zu lernen ist kein Problem. Definitionen, Aufzählungen etc. zu lernen dagegen… puh, so gar nicht meins. Ich bin aber auch sehr faul beim Thema Lernen. Sobald ich etwas sinngemäß kann und das Konzept verinnerlicht habe, sehe ich nicht ein, warum ich mir dann auch noch die Mühe der wörtlichen Wiedergabe machen soll.


Aus dem Nachhinein betrachtet, lässt sich das wunderbar an meiner Schullaufbahn beobachten. Ich habe nie Karteikarten zum Lernen gemacht (steht doch schon in den Unterlagen, warum also noch einmal abschreiben?), ich habe, wenn es sich vermeiden lies, nie auswendig gelernt (was manchmal sinnvoller gewesen wäre). Lernen funktioniert bei mir rein übers Lesen, das dann von mir aus auch mehrfach. Aber wehe, es wird langweilig, dann werde ich ungeduldig, fange an, ineffizient zu werden und nerve meine Mitmenschen. Ganz schlimm wird’s dann, wenn ich die Unterlagen auch noch schlecht finde. Ich verdeutliche das mal am aktuellen Beispiel, das diesen Blogpost ausgelöst hat.
Thema: Ausbildereignungsprüfung (AdA-Schein), schriftlicher Teil, Prüfungstermin: Montag, 4. Februar.

10 Tage vor der Prüfung: Letzter Lehrgangstag, die ersten lernen schon wild, haben sich teilweise frei genommen fürs Lernen. Theoretisch steht mir ein Tag prüfungsfrei zu, überlege, den am Freitag vor der Prüfung zu nehmen, vorausgesetzt, ich bekomme Prüfungsurlaub genehmigt. Ich habe bisher die Unterlagen (1 schmaler Order, handschriftliche Notizen und ein Lehrbuch) selbstverständlich komplett ignoriert, der soziale Druck setzt aber so langsam ein. Zu Schulzeiten hätte ich noch mindestens eine Woche gewartet, bevor ich angefangen hätte, aber ich bin anscheinend motiviert und fange abends an, das Buch durchzuarbeiten (heißt bei Karina: lesen und (sparsam) markieren, ein paar Randnotizen vielleicht)

9 Tage vor der Prüfung, Samstag: neben Brot backen etc. schaue ich auch mal ins Buch, nachmittags fahren wir nach Beelen, im Auto lese ich weiter, schaffe es bis zum Dunkelwerden immerhin bis zum Ende des dritten von vier Kapiteln

Sonntag bis Mittwoch: anderes bzw. viel zu tun auf der Arbeit, keine nennenswerten Fortschritte, immerhin abends das Buch zu Ende gelesen


Donnerstag: immerhin eine halbe Stunde Luft gehabt, um mit dem Ordner anzufangen

3 Tage vor der Prüfung, Freitag: relativ ruhig, anderthalb Stunden tagsüber für den Order Zeit gehabt, dabei die ersten Aggressionen bekommen, als ich die Unterlagen des Handlungsfeld 3 durchgelesen habe: redundant, teilweise widersprüchlich, wenig strukturiert, ich mochte den Dozenten nicht (hat mich gelangweilt) und relativ viel Vorwissen (um nicht zu sagen Mehrwissen) meinerseits, abends zu Hause die Unterlagen komplett einmal durchgearbeitet

2 Tage vor der Prüfung: Karina hat keine Lust mehr, hier setzt jetzt der oben genannte Punkt ein, bin der Meinung alles Wesentliche zu wissen, das führt dazu, dass ich mich andauernd ablenken lasse oder aktiv selbst ablenke; hat länger gedauert, aber ich habe trotzdem alles gemacht, was ich mir vorgenommen hatte, danach die pure Erleichterung

Sonntag, 1 Tag vor der Prüfung: Die Tatsache, dass ich diesen Text schreibe, sagt eigentlich alles aus, ich werde es gleich noch einmal durchblättern, um dem Gewissen genüge zu tun, aber das muss definitiv reichen, wird es auch. Sage ich jetzt :D

Donnerstag, 9. Juni 2011

Faire des bises - C'est bon à savoir 10

Ich hatte am Wochenende eine Erleuchtung. Deswegen muss ich unbedingt diese leider schon leicht angestaubte Kategorie wieder herauskramen. Zum einen finde ich, dass es zu C'est bon à savoir immer mal wieder etwas zu sagen gibt und zum anderen hat diese zehnte Folge, wie alle ihre Vorgänger auch, sehr viel mit Frankreich zu tun. 

Ausgangspunkt sind meine ersten Wochen in Angers, in denen ich immer wieder den gleichen Fehler machte. Mittlerweile hatte ich das schon fast verdrängt, bis ich am vergangenen Wochenende geradezu mit der Nase darauf gestoßen wurde. Thema ist Küsschen geben. Logisch, das machen Franzosen immer. Wobei ich es schon ganz lustig finde - kleiner Exkurs - das französische Männer unter sich in aller Regel dann doch den Handschlag vorziehen. Ich kann es ihnen nicht verübeln, es ist nämlich auch sehr viel unkomplizierter. Tja, ich als Frau habe in derlei Beziehung natürlich keine Chance, denn sobald eine Frau im Spiel ist, gibts ohnehin "bises". Dass dieses je nach Region unterschiedlich gehandhabt wird, was die Anzahl der Küsschen angeht, war mir nicht neu. Die Pariser geben drei Küsschen, in der Normandie dagegen nur zwei. In Angers ist das genau so üblich, das war also kein Problem. 


Jedoch, aus mir völlig unverständlichen Gründen, wurde ich zu Beginn meines Aufenthalts in Angers immer von Steeve ausgelacht, sobald es ans "faire des bises" ging. Seiner Ansicht nach, habe ich das nämlich immer falsch herum gemacht. Ich wollte reflexartig immer mit der linken Wange beginnen, er und auch die anderen Franzosen, rechts. Ein paar Wochen und Beinaheunfälle später hatte ich mich dann daran gewöhnt. Aber komisch fand ich es trotzdem, ich mit meiner Villers-Ecalles-Erfahrung konnte das Küsschengeben doch eigentlich.  


Nachdem ich dann fünf Monate nicht mehr über dieses Phänomen nachgedacht hatte, kamen am letzten Donnerstag die Franzosen aus Villers-Ecalles und ich hatte, fast möchte ich sagen endlich, meine Erleuchtung. Erster Franzose, der nächste Beinaheunfall, dieses Mal the other way round. Tja, die Normannen machens schlicht und einfach andersherum, erst links, dann rechts. Prompt hatte ich natürlich wieder einen Knoten im Hirn. Aber nachdem ich das Problem dann verspätet erkannt hatte, gings dann doch wieder... Das soll aber auch einer ahnen...

Donnerstag, 16. Dezember 2010

Le Moyen Âge en 2010 - C'est bon à savoir 9

Franzosen können mitunter sehr komisch sein und Gewohnheiten pflegen, die ich nach über drei Monaten immer noch nicht verstehen kann und in diesem Fall vermutlich auch nie verstehen werde. Gemeint ist die unerklärliche Faszination der Franzosen für Schecks. Eine kurze Erklärung für alle Leser jüngerer Generationen. Schecks wurden in grauer Vorzeit (ungefähr im gefühlten Mittelalter) als Zahlungsmittel benutzt. Das war in etwa kurz nach der Ära des Tauschhandels lachende-smilies-0008.gif von smiliesuche.de. Für weiterführende Informationen über diese antike Zahlungsmethode verweise ich an Dr. Google oder an Prof. Wikipedia. 
Aber zurück zu den Franzosen. Irgendwie scheint man im Land von Baguette, Käse und Wein noch nicht mitbekommen zu haben, dass es fortschrittlichere Methoden gibt, sein Geld loszuwerden oder aber man versucht sich in Reaktionismus, anders kann ich mir das Phänomen jedenfalls nicht erklären, dass ich in der letzten Zeit mehr Schecks gesehen habe als in den 15 Jahren davor zusammengenommen. Ob im Klamottenladen oder auch im Supermarkt, unglaublich viele Leute zücken ihren Kugelschreiber und stellen Schecks aus... eek.gif von smiliesuche.de In unserer Bankfiliale gibt es sogar extra Automaten, in die man seine Schecks einlesen kann, um den Betrag aufs Konto zu übertragen, und das im Zeitalter von Onlinebanking etc. kopfschuettelnde-smilies-0010.gif von smiliesuche.de Das verstehe wer will, ich tus nicht. 

Und da ich gerade schon so schön dabei bin, mich zu beschweren, möchte ich nochmal hervorheben, wie unglaublich bürokratisch die Franzosen mitunter sein können, Deutschland ist da nix gegen (jedenfalls manchmal :-D) Wir wollten das Bankkonto heute auflösen. War ja nicht so, dass die das bei der Banlk nicht wussten, angepisst haben sie sich trotzdem. Angeblich ginge das nicht so schnell, ah ja, auf einmal, nachdem man uns am Anfang gesagt habe, wir sollten in der letzten Woche vorbeikommen. Komischerweise gings dann auf einmal doch augen-rollende-smilies-0001.gif von smiliesuche.de Danach war die Tante auf einmal sch***freundlich. Zu spät, nie wieder BNP...

Sonntag, 5. Dezember 2010

Le casier à bouteilles de bière - C'est bon à savoir 8

Nun ist es hinlänglich bekannt, dass Frankreich das Land des Weins ist. Weder was die Auswahl noch die Qualität des Weins (zu sehr erschwinglichen Preisen) angeht, gibt es Anlass zur Beschwerde. Davon zeugt auch die stetig wachensende Korkensammlung auf meinem Kühlschrank. Gleichzeitig weist diese auf den quasi nicht vorhandenen Bierkonsum hin. Aus gutem Grund. Dass das französische Bier ganz im Gegensatz zum Wein keinem Vergleich standhalten kann, ist natürlich auch nicht gerade eine Neuigkeit. Immerhin muss ich sagen, dass zumindest die Marke Kanterbräu durchaus trinkbar ist. Wenn wir aber nicht gerade auf die Idee gekommen wären, eine soirée allemande zu veranstalten, wäre ich vermutlich nicht darauf verfallen, in Frankreich Bier zu kaufen.

Wir standen also im SuperU vor dem Bierregal. Nachdem wir uns für eine Marke entschieden hatten, ging es dann um die Menge. Dabei fiel uns auf: Es gibt keine Bierkästen! eek.gif von smiliesuche.de Das allein geht schon mal gar nicht. Sixpacks gibt es übrigens auch nicht, es gibt nur sowas in verschiedenen Größen:


Hallo, wie unpraktisch ist das denn? Mal ganz abgesehen von der Flaschengröße (0,25 Liter) und den albernen abSCHRAUBbaren Kronkorken, wer kommt auf die Idee, Bierflaschen in Pappkartons zu verpacken? Geht gar nicht. Immerhin ist ein Henkel dran, der sogar so konzipiert ist, dass er beim Tragen nicht reißt, aber unbequem ist diese Trageweise trotzdem. So unbequem, dass ich ihn nicht benutzt und die Kiste den Kasten das Paket das Pappdingens lieber auf den Arm genommen habe. augen-rollende-smilies-0001.gif von smiliesuche.de 
Eins steht fest, das war das erste und letzte Mal, dass ich hier Bier gekauft habe... Ich bleibe beim Wein!

Mittwoch, 24. November 2010

La renaissance du tramway - C'est bon à savoir (7)

In Dortmund hat man sie jüngst unter die Erde verbannt: Zu gefährlich für übrigen Verkehr sowie Fußgänger, technisch überholt und viel zu altmodisch. Man ist ja Metropole Ruhr und nicht mehr Kohlenpott und eine Straßenbahn passt da nicht ins Stadtbild. Kurzerhand wurde die Straßenbahn im Stadtzentrum unter die Erde verfrachtet. Doch nicht überall in der ach so globalisierten Welt ist man einer Meinung. Schon beim Nachbarn sieht die Welt buchstäblich ganz anders aus. 

In la belle France heißt es dagegen eher "Le tramway, c'est la mode!" und munter schießen hier die Straßebahnen wie Pilze aus dem Boden. Bordeaux hat eine, in Nantes fährt man Bahn statt Bus, Rouen ist schon seit 1994 wieder auf Schienen unterwegs und bien sur, auch la plus belle ville de la monde, Paris hat sie, die Straßenbahn. Und auch im kleinen Angers steht man dem Tramway-Wahn in nichts nach und werkelt seit mittlerweile vier Jahren fleißig an der für 2011 geplanten Fertigstelltung der Straßenbahn. 

Die Straßenbahn: In Le Mans ist sie seit 2007 in Betrieb. Mit rund 300 Millonen Baukosten war sie eine der günstigsten in Frankreich.
Der erste Gedanke im September war: "Ils sont fous, le francaises". Wer kommt schon auf die bescheuerte Idee, eine unpraktische Straßenbahn in eine bestehende Stadt zu bauen? Die recht engen Straßen in den Innenstädten laden nicht gerade dazu ein, noch ein Schienennetz zwischen die Häuserreihen zu quetschen. In Angers wird die Bahn in Zukunft mitten durch die Innenstadt, über eine Einkaufsmeile und über eine vielbefahrene Straße verlaufen, wo in der Rush Hour regelmäßig der Verkehrskollaps eintritt. Trotzdem, irgendeine Faszination muss die Straßebahn in Frankreich haben, ein paar Tausend Euro reichen schließlich bei weitem nicht zur Finanzierung aus. Die ersten Touren in andere Städte sorgten für Überraschung: "Ils sont partout, les tramways." 

Als moderne Fortbewegungsmittel prägen die Bahnen das Stadtbild.
Doch warum die Renaissance, nachdem 1975 die Straßebahn in Frankreich praktisch tot war? Nach dem zweiten Weltkrieg hatten die meisten Städte ihre Bahnen peu à peu abgeschafft, Busse und natürlich Privatwagen wurden zum wichtigsten Verkehrsmittel im Nah- und Stadtverkehr. Doch in den letzten 20 Jahren wendete sich das Blatt. Neben ökologischen Überlegungen spielte vor allem die Überlastung der Straßen eine Rolle. Nach Skepsis am Anfang, hat sich das Konzept der modernen Straßenbahn bewährt: kaum Lärm, weniger Staus und schnelle Fortbewegung sind die entscheidenden Vorteile der Straßenbahn. Zu letzterem trägt vor allem eine (neue) Verkehrsregel bei, die Straßebahn hat Vorfahrt, ob Autos, Busse, Fußgänger usw. "le tramway est toujours prioritaire" - nur bring das mal einer den Franzosen bei... 

Angers: Netter Versuch, aber ob das hilft? Die Vorbilder in Nantes etc. beweisen: Mais non, nous sommes en France!

Dienstag, 9. November 2010

Déblocage! - C'est bon à savoir (6)


Juchu, die Besetzung der Fakultät ist ab morgen beendet und ich darf endlich wieder das lernen lachende-smilies-0177.gif von smiliesuche.de lachende-smilies-0145.gif von smiliesuche.de Das Thema sollte erst einmal beendet sein, zumindest bin da jetzt recht zuversichtlich. Die Assemblée Générale war auf jeden Fall ein Erlebnis für sich, auch wenn die Franzosen verblüffend zivilisiert diskutiert haben, zumindest haben die meisten sich an die Redezeit von drei Minuten gehalten uns sonderlich viel "Heißmacherei" gab es überraschenderweise auch nicht. 

Der Hörsaal war immerhin pickepackevoll. Interessant fand ich allerdings, dass von den Austauschstudenten nur Deutsche da waren (zumindest habe ich keine anderen gesehen). Der erste Teil der Veranstaltung war mit "Debat" tituliert. Dort konnte sich quasi jeder der wollte, auskotzen, sei es über die Rentenreform, über das Sozialsystem, die staatliche Unterstützung für Studenten oder sonst was. So ganz verstanden habe ich den Sinn des Ganzen nicht, bzw. habe ich mich gefragt, was das mit der Blockade zu tun hatte, aber egal. Einige nutzten die Möglichkeit ordentlich aus, um linke Propaganda zu betreiben. Naja, wenns ihnen Spaß macht, ich habe bisweilen eh nur die Hälfte verstanden. Einige haben definitiv zu viele Joints geraucht coole-smilies-0023.gif von smiliesuche.de Spannend fand ich in erster Linie die anwesenden Leute. Bei den Zuhörern war alles dabei, ein bunter Querschnitt durch die Studierenden würde ich sagen. Bei den Rednern waren viele Streikende dabei, dem Gesprochenen und dem Aussehen nach zu urteilen, waren die - wenig überraschend - alle wohl politisch ziemlich weit links. Wenn die nicht gerade Französisch gesprochen hätten, wären die 1:1 austauschbar mit den Linken, die bei uns an der Uni rumlaufen lachende-smilies-0026.gif von smiliesuche.de

Aber es gab auch ein paar "Normale", die das Wort ergriffen haben, allerdings mehr im zweiten Teil, wo es um die "Perspectives" ging. Meine absolute Antiperson war allerdings Typ "blonde Zippe", die auf den ersten Blick auch ganz vernünftig aussah, aber nur Bullshit von sich gegeben hat, frei nach dem Motto "Stellt euch doch nicht so an, nur weil ihr mit eurem Studium fertig werden wollt, ihr kriegt doch eh keinen Job" und das auf eine ganz ätzende, neunmalkluge, überhebliche Art und Weise. daumen-runter-smilies-0003.gif von smiliesuche.de Naja, die meisten gingen. Es zeichnete sich allerdings schon relativ früh ab, dass die Mehrheit nicht unbedingt für eine Weiterführung der Besetzung war, sodass es bei der Schlussabstimmung auch überhaupt nicht spannend wurde. Grob geschätzt 90% der Anwesenden stimmten für die "Déblocage" der Fakultät, aber die Demonstrationen etc. werden natürlich weitergeführt. Ganz aufgeben kann man natürlich nicht als Franzose ;-) Aber ich bin zufrieden, ab morgen finden wieder Kurse statt und alles geht wieder seinen mehr oder weniger gewohnten Gang.

Sonntag, 17. Oktober 2010

C'est bon à savoir: 5 - Comprendre les feux

Heute wage ich mich einmal an ein schwieriges Thema heran, die Ampel, genauer, die Fußgängerampel. Gemeinhin geht der Deutsche von zwei Ampelphasen aus, grün = gucken und gehen sowie rot = stopp! In Frankreich funktioniert das so einfach nicht, es gibt nämlich nicht zwei sondern DREI unterschiedliche Farben der Ampel. Aber aufgepasst, bei der dritten Farbe handelt es sich NICHT um orange/gelb. Aber fangen wir mit dem einfachsten an.

1. Ampelphase: Rouge / Rot

Das ist noch einfach zu verstehen. Rot ist immer dann, wenn - logisch - das rote Männchen leuchtet. Dann fahren auch Autos über die Straße und das in einem Affenzahn, was das Überqueren der Straße für den Fußgänger unmöglich macht. Somit bleibt dieser stehen und wartet auf Grün.

ACHTUNG, jetzt kommen wir zum schwierigen Teil, ab jetzt geht es um die grünen Ampelphasen, und ja, das ist absichtlich im Plural. Konzentration bitte, dieser Teil ist nicht ganz einfach zu verstehen.

2. Ampelphase: Vert / Grün
Das grüne Männchen bedeutet für den durchnschnittlichen Deutschen folgendes: Nach links gucken, nach rechts gucken und wenn man sicher ist, dass entweder keine Autos in der Nähe oder diese sich zumindest im Stillstand befinden, setzt der Deutsche seine Füße auf die Fahrbahm um diese schnellstmöglich zu überqueren. Nicht so der Franzose. Grün bedeutet freie Fahrt, ähhhh... freien Gang. Etwaige Autos haben stehen zu bleiben, und falls ein träumerischer Fahrer mal nicht schnell genug das Gaspedal durchtritt, ist aber die Hölle los, ein Schlag auf die Windschutzscheibe und ein wütender französischer Wortschwall dazu, ist noch das mindeste. Gucken ist daher auch einfach überbewertet.


So, und jetzt wird es richtig kniffelig, es ist nämlich nicht nur grün, wenn das grüne Männchen leuchtet, es gibt nämlich noch ein zweites Grün und das ist die 


3. Ampelphase: Vert français / Französisches Grün
Liebe Kinder, bitte nicht nachmachen. Das ist gefährlich! ;-)
Nein, diese Ampel ist nicht rot, wie vielleicht der eine oder andere im ersten Moment denken mag, diese Ampel zeigt französisches Grün an. Dieses ist für den Deutschen schwer zu verstehen, da es keine fixen Regeln für diese Ampelphase gibt. Franzöisches Grün ist zum Beispiel dann, wenn die Fugängerampel zwar rot anzeigt, aber kein Auto kommt. Das ist noch der einfachste Fall, denn französisches Grün kann auch sein, wenn die Ampel rot ist und ganz viele Autos kommen aber noch weiter als 2 Meter entfernt sind. Aber das sind nur zwei von zahlreichen Möglichkeiten. Der wahre Franzose hat es im Gefühl, ob es französisches Grün ist oder nicht und ich bin fest davon überzeugt, dass sich die Franzosen einen Spaß daraus machen, Ampeln zu beobachten und dabei die Nicht-Franzosen zu identifizieren versuchen. Ich vermute stark, dass es ihnen ähnlich leicht fällt, wie mir die Identifizierung der Engländer in Longchamp :-D

Dienstag, 28. September 2010

C'est bon à savoir: 4 - Ponctualité et organisation francaise

Gut, dass Franzosen es nicht so genau nehmen mit der Pünktlichkeit ist absolut nichts Neues, aber heute haben sie mich dann doch etwas genervt. 
Tatort: Théâtre du Quai in Angers, 
Uhrzeit: ja, das ist sehr dehnbar, so ungefähr ziemlich genau zwischen 19 Uhr und 19.42 Uhr
Corpus Delicti: Wartezeit, die über meine (deutsche) Toleranzgrenze ging bzw. mangelnde Organisation
Okay, jetzt mal Klartext. Wir hatten über das Celfe (für die Französischkurse verantwortlich, allerdings klappts da auch schon so gar nicht mit der Organisation, aber das ist eine andere Geschichte) Karten für "Le Grand C", eine Show der Artistiktruppe "Compagnie XY" bestellt und auch schon bezahlt. Die klare Ansage war, Treffen um 19 Uhr vor dem Theater. Beginn der (grandiosen) Vorstellung sollte um 19.30 Uhr sein. So weit so gut, wir, und auch die Irinnen, eine weitere Deutsche und ein Chinesin, standen um 19 Uhr vor dem Theater - nur war da sonst keiner... Und das änderte sich auch nicht bis 19.25 Uhr. Und beeilen muss man sich danach ja auch nicht. Egal, ich spare mir die Details der Wartezeit,  es war jedenfalls 19.42 Uhr bis wir im Theater saßen und die Aufführung begann. Wohlgemerkt, in Frankreich scheint man zu warten, bis alle da sind... 

In Anbetracht der Tatsache, dass es jetzt schon spät ist und Klein-Karina morgen früh zur Uni muss, erspare ich der geneigten Leserschaft die Berichterstattung über den ungestümen Ausdruck französischer Beigeisterung zu absolut unpassenden Zeitpunkten :-D und wünsche eine gute Nacht.

Mit Fotos kann ich leider nicht dienen, da man im Theater schließlich nicht fotografieren darf, dafür gibt es einen Link zur Compagnie XY, die eine wirklich atemberaubende Show ablieferte und die anschließenden Standing Ovations wahrlich verdient hatte.
Homepage der Compagnie XY
Und, noch viel anschaulicher, ein Youtube-Video:
Youtube: Le Grand C (Compagnie XY)

Samstag, 25. September 2010

C'est bon à savoir: 3 - Little Ireland

Frankreich ist nicht überall Frankreich. Donnerstag Abend haben wir eine irische Enklave mitten in Angers gefunden. Anlass: Guinness hatte Geburtstag. Am 23. September ist Arthur's Day und das heißt, um 17.59 Uhr exakt (denn im Jahr 1759 wurde das Guinness erfunden), erhebt der Ire sein Glas und stößt an. Sehr cooler Brauch. Also haben wir uns zur rechten Zeit mit den Iren und den Engländern im einzigen "richtigen" (sagen zumindest unsere Iren und die müssen es ja wissen) Irish Pub in Angers getroffen und den Arthur's Day zelebriert. 

Im Inishmore - Arthur's Day

Donnerstag, 23. September 2010

C'est bon à savoir: 2 - Manifestations et grèves

Mal wieder hat sich ein Vorurteil bestätigt, Franzosen lieben es zu streiken und zu demonstrieren. Ich würde sagen, grêves sind tatsächlich Volkssport Nummer 1 - okay, neben Fußball vielleicht. Aber streiken können sie definitiv besser als Fußball spielen :-P Heute ist die dritte Demo in Angers seitdem wir hier sind (wobei es bestimmt noch mehr waren, davon habe ich dann aber nichts mitbekommen). Heute morgen hatte ich schon Befürchtungen, ob ich überhaupt in die Uni gelassen werde ;-) Heute ist nämlich "une grêve nationale". Es geht natürlich mal wieder um die Rentenreform. A propos, bisher habe ich noch keinen Franzosen getroffen, der Sarko(t)zy gut findet...

Mittwoch, 22. September 2010

C'est bon à savoir: 1 - Police

Französische Polizeiautos sind so gut wie immer voll besetzt - im Gegensatz zu denen in Deutschland. Wenn ich Polizeiautos in Deutschland sehe, sitzen dort selten mehr als zwei Beamte drin. In Frankreich habe ich bisher noch keins gesehen, in dem weniger als 3 Polizisten gesessen haben.