Mittwoch, 12. September
Dieses Mal waren wir nicht ganz so früh wach wie die letzten
Tage, kamen aber gegen sieben dann doch aus dem Bett. Wir hatten beschlossen,
zumindest einmal amerikanisch zu frühstücken, das war heute dran. Nicht weit
von unserem Apartment gab es ein Waffle House. Wir beschränkten uns dort aber
beide auf jeweils eine namensstiftende Waffel – allerdings ohne diesen
scheinbar obligatorischen Fettklumpen, irgendwas zwischen Butter und Margarine.
Eigentlich ging es mir aber auch in erster Linie um das „Diner-Feeling“ als um
den kulinarischen Genuss. Die Waffel war aber schon gut, außerdem gab’s Kaffee.
Danach gings erst zurück zum Apartment zur Planung und zwecks einer kleinen
Arbeitspause.
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Wie in vergangenen Zeiten... |
Daher waren wir etwas später on the road. Es ging zur Abwechslung
in nördliche Richtung, genauer nordwestlich. Unser Ziel war das eine gute halbe
Autostunde entfernte Marietta mit einem historischen Marktplatz, den alte
Backsteinhäuser umringen. Die wurden allerdings renoviert, denn Marietta war
die erste Stadt in Georgia, die während des Civil Wars in Flammen aufging. Das
Welcome Center hatte – nicht das erste Mal – mitten am Tag geschlossen,
immerhin hatten sie ein paar Prospekte zum Mitnehmen draußen angebracht. Wir
erkundeten die Stadt also ein wenig auf eigene Faust und blieben in einem
Antiquitätenladen (Park West Vintage) förmlich stecken. Es war aber auch ein
riesiger Laden, vollgestopft mit allerlei großen und kleinen Dingen. Hier hätte
ich auch einen Schrank fürs Wohnzimmer gefunden, aber der hätte nun wirklich
nicht in den Koffer gepasst. Als wir uns sattgesehen hatten, machten wir noch
einen Abstecher in einen nahe gelegenen Weinladen, wo ich endlich die geplanten
Mitbringsel – Wein aus Georgia fand – ohne Preise über 30 Dollar dafür bezahlen
zu müssen. Günstig waren sie aber trotzdem nicht…


Nächstes Ziel war das Gone with the Wind-Museum ein paar
Hundert Meter weiter. Margaret Mitchell und Vom Winde verweht sind hier
natürlich große Themen, zumal „Tara“, die Farm aus dem Roman/Film ja bei
Atlanta lag. Das Museum ist klein aber fein. Ein Raum widmet sich Margaret
Mitchell, ihrem Leben, ihre Erlebnisse rund um ihr Werk und ihrem frühen Tod.
Besonders interessant fand ich die ausgelegten Zeitungsseiten aus lokaler bzw.
regionaler Presse. Zwei weitere Räume drehten sich um die Verfilmung, den Cast,
die Kleidung usw.
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Margaret Mitchell |
Auf dem Rückweg nach Atlanta machten wir an der Shopping
Mall Lenox Square Halt, das war auch das erste Mal, dass wir durch die
Wolkenkratzer-Landschaft Atlantas fuhren, sonst hatten wir die Hochhäuser nur
aus der Ferne gesehen. Genau genommen, hat Atlanta ja sogar mehrere Skylines,
aber dazu komme ich bestimmt noch. Gegen 16 Uhr fuhren wir dann zurück. Ich verkrümelte
mich in den Fitnessraum – nachdem ich 15 Minuten lang gesucht hatte, wo sich
der noch einmal genau befand – Sabrina ging dann abends noch zur Welcome
Reception ihrer Konferenz, die ja der Grund ist, warum wir überhaupt in Atlanta waren. Tja, ich machte noch einen Ausflug zum Kroger’s und recherchierte danach
u.a. was der Hurricane Florence so treibt. Er wird uns wohl zum Glück nicht
direkt betreffen, jedoch gilt es Daumen zu drücken, dass unser Flug am Samstag
wie geplant abheben kann.
Donnerstag, 13. September
Der Tag begann zumindest für mich ruhig. Sabrina machte sich
früh auf zur Konferenz. Ich stattete derweil dem Fitnessraum einen weiteren
Besuch hab, dieses Mal auf dem Laufband und dem Stepper. Nach dem Frühstück stand
Skype mit Daniel an, dann waren noch ein paar Dinge zu erledigen und schon war
es Mittag. Sabrina sammelte mich ein und wir fuhren nach Atlanta Downtown. Dort
stellten wir schnell das Auto ab und sahen zu das wir zur Ecke Marietta
Street/Baker Street kamen. An dieser Ecke fuhr um 13 Uhr der Peachtree Trolley
ab, eine 90minütige Bustour durch Downtown Atlanta – wie auch der Karte zu
entnehmen. Zu verdanken hatten wir Idee und Tour Sabrinas
Bahnfahrtsbekanntschaft von vor Kurzem in England auf dem Weg nach Windsor. Wie
es der Zufall wollte, kommt Pam aus Atlanta und arbeitet als Tourguide in eben
jenem Trolley. Super, dass es auch geklappt hat. Sie macht auch eine wirklich
gute Tour, 90 spannende Minuten – netterweise sogar gratis für uns. Wir waren
nur acht Leute im Bus, u.a. zwei Paare darunter, die wegen des Hurricanes
evakuiert waren. Schon irgendwie krass, wenn man sich überlegt, dass sie nun
Sightseeing machen, gleichzeitig aber nur hoffen können, noch ein Zuhause zu
haben, wenn sie zurückkehren. Die Tour war, wie bereits angedeutet, super. Es
ging bei CNN vorbei, am Georgia Aquarium, dem Coca Cola Headquarter, dem
nagelneuen Mercedes Benz Stadium, vielen Wolkenkratzern, der Martin Luther King
Memorial Historic Site usw. usw. Es waren so viele Infos, dass ich
zwischendurch auch mal kurz gedanklich aussteigen musste. Die Fahrt offenbarte,
dass Atlanta doch noch einmal deutlich mehr zu bieten hat, als mir bewusst war.
Ich hätte überhaupt kein Problem, vier bis fünf Tage, eventuell sogar mehr, mit
Sightseeing nur in Atlanta zu füllen ohne Langeweile zu bekommen. Das hätte ich
so nicht erwartet. Ich werde sicher nicht alles schaffen, was ich gern sehen
würde. (Das habe ich nach Stockholm und Göteborg beispielsweise nicht gesagt.)
Überhaupt gefällt es mir besser als gedacht, auch so das amerikanische
Lebensgefühl so generell, ich bin wirklich positiv überrascht.
Den „table wine of the South“ haben wir aber noch nicht
getestet – das ist Eistee. Am Ende der Rundfahrt sprachen wir noch kurz mit Pam
– die uns für den Fall eines gecancelten Fluges gleich eine Schlafmöglichkeit
anbot. Hoffen wir, dass wir nicht darauf zurückkommen müssen, auch wenn die
Aussicht mit Pam und ihrem Mann Fußball zu gucken nun auch nicht die
allerschlimmste wäre.
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Das nagelneue Mercedes Benz Stadium |
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City Hall, natürlich echtes Gold. |
Nächste Station war die Coca Cola World. Da mussten wir
uns fast beeilen, annähernd alles zu sehen, denn wir hatten nur noch 1,5
Stunden Zeit, da das Museum aufgrund eines Events früher schloss. Die Coca Cola
World war dann das, was man darunter erwarten konnte, vor allem bunt, aber
durchaus interessante Aufbereitung der Firmengeschichte, wenn auch nicht
sonderlich tiefgründig. Am Ende stand natürlich das Tasting verschiedenster
Coca Cola-Produkte aus aller Welt, interessant, aber kulinarische Entdeckungen
habe ich nicht gemacht 😉


Dann folgten wir noch einer Empfehlung Pams und gingen bei
Ted’s Montana Grill essen. Ted ist Ted Turner, der diese Grills betreibt und
dort Bisonfleisch von seinen Ranches anbietet, unter anderem natürlich. Der
Bison Burger (Chili Cheese in meinem Fall) war dann auch richtig klasse, ebenso
auch die Süßkartoffel mit Zimtbutter dazu – das war dann schon eher eine
kulinarische Entdeckung. Gesättigt liefen wir durch den Centennial Olympic Park
zurück zum Parkplatz.
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Centennial Olympic Park |