Mittwoch, 4. Juli
Ich bin ja an sich ein Frühaufsteher, aber im Urlaubsmodus
ist das doch sehr abgeschwächt, mein Hirn war noch nicht wirklich an. Aber wir
kamen trotzdem vollständig und pünktlich am Flughafen an. Der Flug verlief
reibungslos, sodass wir schon um 9 Uhr in Hamburg in die S-Bahn steigen
konnten. Anschließend brachten wir die Koffer ins Hotel und gingen im Café
Uhrlaub frühstücken. Dort überlegten wir uns auch einen Zeitvertreib bis zum
Beginn des Renntags. Die Wahl fiel auf Blankenese, wo wir uns das
Treppenviertel ansahen und anschließend am Elbufer entlang zum Falkensteiner
Ufer liefen.
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Blankenese |
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Natürlich kamen jede Menge Containerschiffe vorbei, das hier aus Hongkong |
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Uwe - 1975 bei Nebel gesunken |
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Das hier ist schon seit den 1920er Jahren nicht mehr seetüchtig |
Danach war es dann Zeit für einen kleinen Einkauf und danach
machten wir uns auf den Weg nach Horn. Hamburg kann zum Derby ja bekanntlich
immer nur Extreme, entweder Dauerregen mit der Gefahr des Rennabbruchs wegen
Wasser auf dem Geläuf oder extreme Hitze. Am Mittwoch war das letztgenannte
näher, doch in diesem Jahr sieht es (noch) so aus, als könnte das Wetter am
Derbywochenende zwar warm und sonnig, aber ohne extreme Hitze sein. Man darf gespannt
sein.
Acht Rennen standen bei unserem persönlichen Hamburg-Auftakt
2018 auf der Karte, ein buntes Spätnachmittags- und Abendprogramm sozusagen.
Natürlich trafen und treffen wir in Hamburg wie jedes Jahr liebgewonnene
Bekannte. Joachim und Lukas waren am Mittwoch in Horn, zum Wochenende werden es
dann sukzessive mehr. Wir begannen mit einem Ausgleich III zum Warmwerden.
Shabraque mit der fluffig wippenden Stehmähne bescherte Jan Korpas den ersten
Sieg als Trainer. Was war ansonsten erwähnenswert? Robin Weber schaffte mit
Irrwisch seinen 100. Sieg, wir lobten da Engagement von Adel verpflichtet, der
zu seinem zweiten Treffer in diesem Jahr kam und das eher ohne Unterstützung
von oben. Das kulinarische Angebot war etwas schmal, aber das war dem Vernehmen
nach dem Wochenrenntag geschuldet. Der Besuch war aber sehr ordentlich für
einen Mittwochabend wie wir fanden. Ein paar Worte noch zum Sparkasse Holstein
Cup, dem Grupperennen des Tages. Die Engländerin Indian Blessing kam, sah und
siegte, wenngleich wir vier uns zwar nicht einig waren, aber Indian Blessing
eher vernachlässigt hatten. Die immer wieder zu beobachtende Tatsache, dass man
an der Optik der Starter oftmals auch ein hochklassiges Rennen erkennen kann,
befeuerte wilde Spekulationen über etwaige Gründe dafür…
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Indian Blessing |
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Hambuger Sonnenuntergangsromantik aus dem Hotelzimmer |
Donnerstag, 5. Juli
Ein zweigeteilter Renntag mit vier Stunden Pause dazwischen,
was ist davon zu halten? Wir wussten es vorher nicht so richtig. Auf jeden Fall
führte der frühe Beginn um 11.15 Uhr schon einmal zur Rechnerei, wann der
Weckerl klingeln musste. Er klingelte dann um kurz vor sieben, aber nicht, weil
wir vier Stunden zum Aufwachen brauchen, sondern weil ich mir vorgenommen
hatte, eine Runde um die Außenalster zu drehen. Mit Duschen und Frühstücken
waren wir dann auch pünktlich auf der Bahn, um uns die ersten fünf Rennen zu
Gemüte zu führen. Erwartungsgemäß wurde der erste Teil der Karte zwar nicht
unter Ausschluss der Öffentlichkeit, doch aber als Aktivenmatinée ausgetragen. Die
Pause nutzten wir für einen kleinen Einkauf und zu erledigende Kleinigkeiten am
PC und kamen danach dann wieder zur Bahn für weitere sechs Rennen. Wir fanden
es in der Rückschau übrigens tatsächlich sehr angenehm, irgendwie durch die
Pause gefühlte zwei Renntage. So im Urlaub sehr angenehm und nett, da finde ich
es fast anstrengender mir für den rennfreien Freitag ein Alternativprogramm
auszudenken.
Teil 2 begann mit dem beliebten Ex-Aktivenrennen, irgendwie
immer was Besonderes, gefühlt so etwas wie ein Senioren-Grupperennen, wenn auch
eher für die Reiter. Gaudi halt und macht einfach Spaß. Toni Potters im
jugendlichen Alter von 58 Jahren war natürlich auch dabei. Der Startverlust
seines Pferdes Footloose machte ihn allerdings direkt so gut wie chancenlos. Das
Rennen machten im Endeffekt Girard (William Mongil) und Nareia (Pascal Werning)
unter sich aus, Girard gewann am Ende sicher. Groß war aber auch die Freude
über Platz drei bei Lisa Krüllmann und dem Arabian Dreamer-Team – so macht das
doch Spaß! Im achten Rennen avancierte Bolt Phantom zum ersten Doppelsieger des
Meetings. Wir standen zufällig neben der Meulen-Entourage, die ihren Schützling
lautstark anfeuerten. Lucien van der Meulen klatschte dann nach dem Rennen mit
Daniel ab – oder umgekehrt, je nach Lesart :D
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Große Freude auch über Rang drei, Lisa Krüllmann |
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Und die Sieger: William Mongil und Girard |
Im Großen Preis von Hamburg zeigte Devastar eine grandiose
kämpferische Leistung, nachdem ihn Va Bank schon passiert hatte. Sound Check
lief als Dritter sehr gut, ist aber auf längeren Distanzen wohl ein noch
besseres Pferd. Shoshona gewann anschließend das Rennen für die Extremsteher,
bevor dann die Seepferdchen an der Reihe waren. Das Seejagdrennen wurde so
ruhig gelaufen, dass es am Ende eine Sprintankunft war, nachdem praktisch das
ganze Feld am letzten Sprung noch Chancen auf den Sieg besaß. Kommt ja so
häufig auch nicht vor. Der Sieg ging nach Tschechien, an Peintre Elusif.
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Devastar |
Freitag, 6. Juli
Rennfrei – schade eigentlich, wir hatten uns gerade so an
den Rhythmus gewöhnt. So richtig hatten wir keine Lust uns ein
Alternativprogramm auszudenken, man wird ja faul im Urlaub und die Renntage
hatten ja für eine schöne Struktur gesorgt. Aber half ja nichts, dumm rumhängen
liegt uns auch nicht. Wir standen für unsere Verhältnisse immerhin spät auf,
erledigten nach dem Frühstück ein wenig Computerkram und überlegten uns dann
ein wenig Programm. Letztlich lief es auf eine 2,5-stündige Führung durch die
Elbphilharmonie, die Speicherstadt und das Projekt HafenCity hinaus. Die drei Kilometer
bis zur Elbphilharmonie legten wir natürlich per pedes zurück. Nachdem wir tags
zuvor einen kleinen Wetterdurchhänger hatten, war das wieder sehr schön. Wir waren
viel zu früh da und liefen daher noch eine Runde auf eigene Faust durch die Speicherstadt
und verleibten uns ein Franzbrötchen ein – ein Muss in jedem Jahr.
Dann gings auch endlich los mit einer Gruppe von 20 Leuten
und unserer Führerin Katja. Wir fingen natürlich nicht im Heute an, sondern in
der Zeit vor den Containerschiffen, nämlich im 19. Jahrhundert, als der Hamburger
Hafen mehr und mehr ausgebaut wurden – die Speicherstadt entstand, mitten im
Schlamm gebaut. Der Platz, an dem heute die Elbphilharmonie steht, beherbergte
den Kaispeicher A oder auch Kaiserspeicher, Gesicht des Hafens und Wahrzeichen
der Stadt. Er stand bis zum zweiten Weltkrieg, wurde 1963 durch einen schmuckloseren
Neubau ersetzt. Leider hatte man dabei nicht den Fortschritt der Technik im
Auge gehabt, schnell war er aufgrund der sich verbreitenden
Containerschifffahrt in den 1970er Jahren nicht mehr im eigentlichen Sinne
nutzbar. Weil er jedoch unter Denkmalschutz stand, sind seine Mauern heute
Bestandteil der Elbphilharmonie. An die Bauzeit der Elbphilharmonie, die die Stelle
eines einst geplanten Mediahafens einnimmt, muss ich wohl kaum erinnern. Sie
reiht sich in die Reihe zahlreicher anderer Großprojekte ein, die erstens
deutlich teurer wurden als geplant und bei denen sich die Fertigstellung immer
weiter herauszögerte. Aber immerhin ist die „Elphi“ mittlerweile fertig und in
Betrieb. Und sie ist wirklich beeindruckend!
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"Elphi" von unten |
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die Plaza auf etwa halber Höhe |
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Auch die Kräne stammen noch aus alten Zeiten als der untere Teil noch Speichergebäude war. |
Nach anderthalb Stunden und einer kurzen Pause zogen wir mit
sechs weiteren Leuten aus unserer Truppe weiter in die Speicherstadt. Hier
wusste ich schon einiges von einer Bootstour vor einigen Jahren durch
ebendiesen Teil der Stadt, aber Wiederholung und Auffrischung schadet ja nie. Weniger
wusste ich bisher zum Projekt HafenCity, das bis 2030 nach und nach
verwirklicht wird – wenn ich mich richtig erinnere, ist es das größte
innerstädtische Stadtentwicklungsvorhaben in Europa. Kein Wunder, es wird ein
ganzer neuer Stadtteil gebaut.
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Klassische Aussicht: Speicherstadt |
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Neue Ansicht? Modell der HafenCity |
Drei Stunden waren verstrichen, als die Tour zu Ende war und
wir haben uns keine Minute gelangweilt. Dann war es aber schon Zeit, zurück zum
Hotel zu laufen, denn Marion und Stephie trafen am Abend ein und wir gingen noch
gemeinsam im „Dorf“ essen und eine Runde um die Häuser ziehen.
Samstag, 7., und Sonntag, 8. Juli
Es schloss sich, sozusagen als Sahnehäubchen, das
traditionelle Derbywochenende an. Da war unsere Truppe dann zwar nicht
vollständig, aber deutlich besser besetzt als unter der Woche. Es ist jedes
Jahr immer wieder schön, die „Derbygruppe“ zu treffen. Ich war nun immerhin schon
zum 11. Mal dabei, seit 2008 kein Derby verpasst. Ich hoffe, es geht noch lange
so weiter. Der heimliche Höhepunkt ist neben dem Derby an sich immer wieder das
gemeinsame Abendessen am Derbyvorabend. Dieses Mal gab es die Besonderheit,
dass wir keine Dreier- sondern Viererwetten auslosten. Wir müssen aber immer noch
üben, auch beim neunten (?) Versuch (ich weiß nicht mehr, wann wir damit
begonnen haben, ich vermute aber, es war 2010) gab es keinen Volltreffer. Also
weiter üben!
Mir steht der Sinn gerade nicht nach noch einem Rennbahnbericht
des Derbywochenendes, daher belasse ich es bei ein paar Bildern. Mich hat es in
diesem Jahr aus sportlicher Sicht nicht so mitgerissen. Das Trainerreiten war
da fast schon mein Highlight. Klar, am Derbytag stellt sich schon ein besonderes
Kribbeln ein und ich habe mich auch gefreut, als beispielsweise mein Tipp Taraja
die Mehl Mülhens Trophy am Samstag gewann, aber so recht sprang der Funke
dieses Mal nicht über. Mit Windstoß im letzten Jahr konnte ich sehr viel anfangen,
mit seinem Halbbruder Weltstar bisher noch nicht so, dass es mich zu Begeisterungsstürmen
hinreißt. Das mag noch kommen, aber noch fehlt der richtige Bezug zu ihm. Dabei
gehörte er zur rein optischen Auswahl nach Führringseindruck und ich gönne es
den Beteiligten auch. Immerhin gab es ein spannendes Rennen mit schönem Finale,
auch wenn ich sicher nicht die einzige bin, die auf die Behinderung zum Nachteil
von Royal Youmzain hätte verzichten können. Ein Lob gebührt der Voreinschätzung
des Handicappers, die vier am höchsten eingeschätzten Pferde vorn. Mal sehen,
wie es nun weitergeht.
Leider hieß es dann schon wieder Abschied nehmen und
aufbrechen nach Hause. Und irgendwie freue ich mich auch jetzt schon wieder auf
die nächste Auflage!
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Taraja |
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Ehre, wem Ehre gebührt: Weltstar, Derbysieger 2018 |
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Und noch einmal von vorn und mit Adrie de Vries im Sattel, der endlich sein erstes Deutsches Derby gewann. |