Montag, 3. September 2012

Abgang eines Superstars – Danedream verteidigt ihren Titel


Für meine persönlichen Vorlieben hätte der Große Preis von Baden nicht besser ausgehen können. Verglichen mit letztem Jahr, wo ich das erste Mal in Iffezheim war, konnte die 2012er Auflage der Großen Woche ihren Vorgänger noch steigern. Das lag in erster Linie natürlich an Danedream. Mann, war das ein – sorry – geiles Rennen am Sonntag. Der Renntag wird mir noch lange in Erinnerung bleiben, so viel steht fest. 2011 war schon toll, auch wenn ich noch  immer weiß, wie klatschnass ich hinterher war. Letztes Jahr war Danedream chancenreich, dieses Jahr rechnete die ganze (volle!) Bahn fest mit ihrem Sieg. Und ich hab schon vorher gesagt, sollte sie nicht gewinnt, sollte ich besser zwei Tage lang einen großen Bogen um diverse Plätze im Internet machen. Zum Glück kam es nicht so weit. Zwar war es bei Weitem kein so stattlicher Sieg mit mehreren Längen, aber es war ein sehr sicherer, kontrollierter Sieg und das, ohne der Stute alles abzuverlangen. Einmal die Peitsche gezeigt, ein bisschen gewedelt und es reichte für den Sieg. Da bekommt man doch direkt wieder Lust auf den Prix de l’Arc de Triomphe – so viel Lust, dass ich heute Morgen Zug und Hotel für das erste Oktober-Wochenende gebucht habe. Das kriege ich so schnell nicht wieder, wenn überhaupt. Sicher rechne ich nicht mit der Titelverteidigung, aber einmal sehen will ich „unsere“ Wunderstute noch, bevor sie dann ins Ferne Japan aufbricht und dort hoffentlich ein schönes Leben mit vielen tollen Fohlen haben wird.

Vor dem 5. Gruppe I-Sieg - Danedream mit Andrasch Starke im Sattel

So, genug rumgeschwärmt, schließlich soll das hier ja endlich mal wieder ein Rennbahnbericht werden. Drei Wochen ist es schon her, dass es den Letzten gab.

Ich war von Freitag bis Sonntag in Baden-Baden, daher gibt’s einen Streifzug durch alle drei Tage. Verzeiht, wenn ich nicht alle Rennen erwähne, sondern nur schlaglichtartig einzelne Rennen beleuchte. Der Tag neigt sich schon dem Ende zu und ich kann mich leider nicht stundenlang mit dem Schreiben von Berichten aufhalten, so gern ich das auch tue.

Freitag

Gegen Mittag kam mein Zug in Baden-Baden an. Etwa eine halbe Stunde später hatte ich es dann auch aufs Auktionsgelände geschafft. Die Jährlingsauktion war sehr nett. Ich hab zwar ziemlich viel draußen rumgestanden und gequatscht, zwischendurch war ich jedoch auch immer mal wieder im Gebäude und hab zugeschaut, wie Träume den Besitzer wechselten. Die meisten Jährlinge sahen echt gut aus. Ich habe auch den einen oder anderen entdeckt, der mich durchaus reizen würden, wenn ich das nötige Kleingeld hätte. Mein Favorit war die 168, ein ziemlich schwarzer Hengst von New Approach – Boccassini, die erforderlichen 85.000 € überstiegen beim Budget jedoch geringfügig ;) Die 320.000 €-Stute sah ebenfalls klasse aus. Niedlich war übrigens auch Frau Herbert, die ihrem Neuerwerb, einen kleinen Hengst (natürlich dunkelbraun), ausgiebige Streicheleinheiten angedeihen ließ. Das Pferd war davon relativ unbeeindruckt, ebenso von der Menschentraube drum herum. Der stand mit gespitzten Ohren rum und guckte sich das in aller Ruhe an. Sehr knuffig.
Am frühen Abend stieß Marion dann zu uns. Nach Lotnummer 204 haben wir dann irgendwann aufgegeben, irgendwann sahen dann doch alle Pferde gleich aus. Zusammen mit Stephie ging’s dann noch nett Abendessen in Baden-Baden und anschließend in die Heia, wir mussten ja ausgeruht sein für die großen, wirklich rennfertigen Pferde.

Samstag

Zeitig wie meist fuhren wir gegen Mittag nach Iffezheim rüber, verweilten noch kurz im Mampfzelt, allerdings ohne die erwartete Trainersichtung, und gingen dann weiter auf die Bahn. Erst dort lief uns Markus Klug über den Weg. Jockey hab ich keinen gesehen, bevor schließlich ein ganzes Rudel auf einmal den Führring betrat. Marion hat, wenn ich mich recht erinnere, Filip Minarik am Sektstand gesehen. Das Trainerorakel sollte sich gleich im ersten Rennen erfüllen, sehr praktisch. Überhaupt hatte ich mit dem Trainerorakel am Wochenende eine 100%ige Erfolgsquote, aber dazu später mehr.
Das Wetter meinte es übrigens gut mit uns, nachdem es mehr oder weniger den ganzen Vormittag geschüttet hatte, am Nachmittag kam kein Tropfen mehr runter, so lobe ich mir das.

1. Rennen (3jährige) – Berlin Berlin

Nach Eindruck aus dem Führring gab es nur einen Sieger, Darak. Der sieht aus wie ein Gruppepferd, hat Ausstrahlung, ist kräftig und muskulös, war auch nicht zu aufgeregt. Kurzum, Darak sah richtig klasse aus. Wir fühlten uns da schon leicht bedroht mit unserer abgegebenen Gerade-Ungerade-Wette, wir hätten nämlich gerade gebraucht. Darak machte uns zwar keinen Strich durch die Rechnung, dafür aber das Klug-Pferd Berlin Berlin, so viel zum Thema Omen. Außerdem sollte man vielleicht doch darauf hören, wenn man Gesprächsfetzen von Stallangestellten aufschnappt, die auf ein gutes Laufen von Berlin Berlin hindeuteten. Milord und Tempuran, die beiden favorisierten Pferde, haben sich jedoch langsam aber sicher für meine persönliche „Pflaumenliste“ qualifiziert. ;)

2. Rennen (Agl. III) – Kerberus

Interessante Renntaktik von Alex Pietsch, der die äußere Spur weiterhin konsequent bevorzugte, auf der ersten Runde war er da natürlich der einzige, der in der Geraden ganz außen ging. Gebracht hat es ihm und seinem Ritt Boss Mak letztlich nichts, allerdings hat das wohl eher weniger mit der Spurwahl zu tun. Mein Mumm Montesquieu machte ein Riesentheater an der Startbox, sodass er schließlich vom Start verwiesen wurde. Schade. Der Preis im Führring ging übrigens an den todschicken Next Dancer, der im Vergleich zu den übrigen Langstrecklern doch ziemlich klein und kompakt geraden ist. Marianna dagegen sah aus wie ein zünftiger Steepler, ihr Schritt schrie schon förmlich nach Hindernisbahn.

3. Rennen (E) – Turning Blade

Klarer Fall von: das bestaussehende Pferd gewinnt das Rennen

4. Rennen (Agl. IV) – Walkabout

Ich habe keine Ahnung mehr, weiß nur noch, dass ich La Next Sieg/Platz gewettet habe, weil sie so hoch stand.

5. Rennen (3jährige) – Astra

Uff, auch schon so lange her. Darjeeling sah gut aus, aber große Unterschiede gab es nicht, wir fanden das Rennen auch ziemlich offen. Das auffälligste war die Trense von Shirbanu. Ich sage mal so, ich habe kurzzeitig überlegt, ob ich auf der Rennbahn bin oder im Zirkus.

6. Rennen (Agl. II) – Historic Occasion

Sicher war ich mir eigentlich nur, dass Arenus keine Chance haben würde. Es hat mich, obwohl ich weiß, dass viele Leute anscheinend Jockeys wetten und nicht Pferde, sehr überrascht, dass Arenus Favorit war, obwohl er gewichtsmäßig sage und schreibe neun Kilo ungünstiger stand als beim letzten Start. Recht behielt ich dann nur insofern, als dass er nicht gewann. Der zweite Platz war aber aller Ehren wert – möglicherweise bringt es doch was, einen Jockey draufzusetzen, der das Pferd unterstützt ;) Nur den Belgier Historic Occassion musste Arenus vor sich dulden, immerhin der zweitlängste Außenseiter, aber Andre Best zeigte mal wieder einen sehr schönen Ritt in Iffezheim.

7. Rennen: Baden Racing Stutenpreis (Gr. III) – Pagera

Ohne Worte, ich weiß immer noch nicht, wie Pagera gewinnen konnte. Keine Vorform sprach dafür, aber sie gewann locker und leicht. Auf den letzten Metern nicht mehr viel zu sehen war dagegen von der grandios aussehenden, grupperennenerprobten Engländerin Shimmering Surf, die auch meine Favoritin gewesen war. Sie kam nur auf den fünften Rang. Die ebenfalls aus England kommende Balding-Stute Opera Gal dagegen wurde Zweite vor Imagery als beste Deutsche. Positiv anzumerken ist auf jeden Fall noch Hot Blood, die sehr gut aussah und mit dem vierten Platz ihre wohl beste Jahresleistung bisher zeigte. Vollkommen unerklärlich war uns – und wohl auch ihrem Umfeld – das erneut schwache Laufen von Sworn Sold, die ebenfalls super ausgesehen hatte, sich in der Geraden jedoch völlig abmeldete. Sehr schade und vor dem Hintergrund der Leistungen von vor der Diana ziemlich unerklärlich.

8. Rennen (Agl. IV) – Avio

Ich war da. Stephie hat Royal Hero angesagt und wir wollten ihr nicht glauben. Sie fand, der sah gut aus, wir nicht so, aber Stephie hatte zumindest leistungsmäßig eher Recht ;) Mehr weiß ich nicht mehr.

9. Rennen (Agl. III) - New Fighter

Rausschmeißer, auch hier ist nicht wirklich was hängen geblieben. War auch schon spät.

Sonntag

Das Wetter war super, genau richtig für die Rennbahn und entsprechend voll wurde es im Laufe des Tages auch auf der Bahn. Bis zum GP musste man dann schon gut planen, wann man wo hin ging, besonders dann, wenn man sich zwischendurch mal trennte. Leute wiederfinden war zeitweise ohne den Gebrauch moderner Kommunikationsmittel schwer bis unmöglich. Aber das macht nichts, wäre ja schade, wenn bei einem Höhepunkt wie diesem Renntag die Bahn halbleer wäre. Die nächsten Sandbahnrenntage kommen bestimmt ;)
Traditionsgemäß haben wir wieder den Weg am Zelt entlang genommen. Heute auch endlich dort die erste Trainersichtung, Christian Sprengel. Ein Blick ins Programm, hmm, nur ein Starter, aber egal, dann muss der eben treffen. Meine erste Jockeysichtung war dann William Buick, das hat weniger gut hingehauen. Aus Jux und weil wir noch Zeit hatten, haben wir dann mal eine Top 6-Wette abgegeben. War ganz witzig, ich hab dann ganz radikal auch nur ein Pferd pro Rennen gespielt und ich bin nicht schon beim ersten Rennen rausgeflogen (erst beim zweiten)! :D

1. Rennen (3jährige) – Lord of Dubai

Am Führring haben wir lauscher getroffen. War wieder einmal sehr nett! Nur war ich mit meiner Meinung relativ allein, dass Mertesacker nicht gewinnen würde. Ausnahmsweise hatte ich damit sogar recht und das richtige Pferd als Sieger hatte ich auch ausgesucht. Guter Auftakt also. Fairerweise muss man sagen, dass Mertesacker das beeindruckendste Pferd im Rennen war, allerdings zeichnet er sich nicht wirklich durch einen Siegeswillen aus. Das war auch dieses Mal so. Für den Sieg kamen ohnehin nur die Nummern 1-4 infrage, der Rest ließ sich schon nach Optik getrost streichen und belegte tatsächlich auch die hinteren Plätze.

2. Rennen: Veuve Clicquot Cup (Listenrennen) – Quinindo

Der Derbysieger der vergangenen Jahres in einem Listenrennen, wer wenn nicht Waldpark sollte dieses Rennen gewinnen? Ich hatte mich auf Silvaner eingeschossen. Wie immer, sah der Hengst auch wirklich zum Niederknien aus. Gut, das ist bei dem nicht Neues, der sieht immer so aus, als könnte er alles und jeden in Grund und Boden rennen. Aber als kleiner Baden-Spezialist könnte er doch was reißen, dachte ich. Nun ja, vielleicht ist er auch einfach reines Herbstpferd und ich muss bis zum Sales & Racing Festival warten... Vorne war Waldpark trotzdem nicht, das Favoritensterben setzte sich fort. Quinindo aus dem Schnakenberg-Stall kam zu einem durchaus überzeugenden Start-Ziel-Sieg, seinem ersten Sieg auf Black Type-Ebene. Immerhin gewann aber mal nicht das französische Pferd, das war doch auch schon einmal was.

3. Rennen (Agl. IV) – La Shuffle

Erste Trainersichtung sage ich dazu nur.

4. Rennen – Samba Brazil

Das Außenseiterfestival sollte munter weitergehen. Mit Samba Brazil gewann die zweite Farbe aus dem Wöhler-Stall. Wiedergutmachung für den verpassten Sieg im ersten Listenrennen vielleicht. Dabei ist Samba Brazil ganz sicher nicht das einnehmendste Pferd unter der Sonne. Hungerhaken passt ganz gut, auch wenn sie in der vergangenen Woche schon ein wenig mehr auf die Rippen bekommen hat. Nach den ersten, nicht unbedingt aufregenden Formen, war mein Fokus jedoch woanders, bei High Heat, der bis dahin ungeschlagenen Ituila, der schicken Moi Lolita und Rocky My Heart nämlich. Aus dem genannten Quartett schlug sich nur High Heat als Dritte respektabel. Samba Brazil zog nach einem schönen Ritt von Mirco Demuro toll durch und besiegte die – natürlich – Französin Absolutly Me. Über das „italienische Flugzeug“ sage ich an dieser Stelle mal nichts.

5. Rennen (Agl. II) – Turgenjew

Molenhof ist out, Bergholz ist in, zumindest kann sich der letztgenannte Stall doch möglicherweise Ambitionen auf das Besitzerchampionat machen, mit Turgenjew siegte schon das zweite Pferd an diesem Wochenende.

6. Rennen (3jährige) – Missunde

Joa, aufregend besetzt war das Rennen nicht gerade. Santayana wurde natürlich Favoritin, trotz des nicht unbedingt überzeugenden Debüts. Umgehauen hat mich vorher keine, mangels wirklicher Alternativen hatte ich mir All Summer Long ausgeguckt. Die wurde immerhin Dritte. Eine Chance auf den Sieg hatte sie jedoch nie. Das machten mit Missunde und Santillana zwei Stuten unter sich aus, die nicht zum Favoritenkreis gehörten. Mit Missunde legte immerhin ein Pferd die Maidenschaft ab, von dem Trainer Löwe laut Stallparade immer eine gute Meinung hatte.

7. Rennen: Großer Preis von Baden (Gr. I) – Danedream

GEIL! Der Rest steht oben. Die Bahn hat auf jeden Fall gefeiert!

8. Rennen (Agl. III) – Aliana

Okay, ich war ungefähr zwei Sekunden am Führring, die Siegerehrung war irgendwie wichtiger und zur Tagesordnung konnte ich sofort auch noch nicht übergehen. Dafür habe ich lauscher  und kurz danach auch Marion wiedergefunden, das Gedränge ließ nun auch etwas nach. Wenn ich mich richtig erinnere, sind wir quatschenderweise am Absattelring stehen geblieben und haben uns dort das Rennen angesehen. Aliana und Mandachic kämpften sich die Gerade herunter um am Ziel wusste keiner wer vorne war. Wir drei waren uns zumindest einig in der Einschätzung, dass Aliana das Näschen vor gehabt hatte, jedenfalls so lange, bis das Zielfoto eingeblendet wurde... Auf dem konnten wir dann keinen Unterschied mehr erkennen *kopfkratz* Totes Rennen wäre auch okay gewesen.

9. Rennen (Agl. IV) – Quamun

Wir haben uns was zu essen geholt, hatten seit dem Frühstück nichts mehr bekommen, bzw. keine Zeit für sowas gehabt, aber die Schupfnudeln waren letztes Jahr schon super, die kamen uns also gerade recht. Mit anderen Worten, wir waren wieder nicht am Führring ;) Wir stellten jedoch fest, dass Quamus  Sieg eigentlich nicht hätte (uns) überraschen dürfen. Passte auch irgendwie zum Renntag. Erst gewinnt Quinindo, 2011 hochgehandelter Dreijähriger, dann auch noch Quamun, der Anfang 2009 unangefochtener Derbyfavorit war.

10. Rennen  (Agl. III) – Key to Passion

Zum Abschluss des Wochenende gewann, wie könnte es anders sein, ein Außenseiter. Unglaubliche 222:10 gab es für den Wallach, und das, obwohl der vor kurzem zweimal gewonnen hatte. Hab ich nicht so richtig verstanden. Die Dreijährigen haben es momentan ja tendenziell eher schwer in den Handicaps, daher wunderte es mich nicht wirklich, dass Modina nicht vorn zu finden war.
Tja, und dann war die Herrlichkeit schon wieder vorbei und die Heimreise angesagt... Spätestens nächstes Jahr kommen wir wieder!

1 Kommentar:

  1. Vielleicht mal das Hotel oder Restaurant erwähnen.
    Finde,gehört dazu .
    Aber sonst,wie immer sehr lesenswerter Bericht.
    bitte mehr davon.

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