Es ist mittlerweile ein paar Tage (mehr) her, dass ich
zuletzt Lernen musste. Mit Lernen meine ich gezieltes Lernen für eine Prüfung,
also nicht, eine Hausarbeit oder gar eine Doktorarbeit schreiben. Das sind
andere Kategorien für mich. Die letzte Klausur, die ich geschrieben habe, war,
wenn ich mich richtig erinnere zu Anfang des Masterstudiums in „Translation“
und das ist nun auch kein Fach, wo man Konzepte, Definitionen oder sonstiges „Inhaltliches“
lernt. Ich bin Klausuren im Studium tendenziell aus dem Weg gegangen, habe
lieber Hausarbeiten geschrieben. Das hat auch einen Grund, der sich mir gerade
wieder offenbart hat. Ich lerne sehr ungern auswendig. Dabei sind zwei Arten
von Auswendiglernen zu unterscheiden: Gedichte auswendig zu lernen ist kein Problem.
Definitionen, Aufzählungen etc. zu lernen dagegen… puh, so gar nicht meins. Ich
bin aber auch sehr faul beim Thema Lernen. Sobald ich etwas sinngemäß kann und
das Konzept verinnerlicht habe, sehe ich nicht ein, warum ich mir dann auch
noch die Mühe der wörtlichen Wiedergabe machen soll.

Aus dem Nachhinein betrachtet, lässt sich das wunderbar an
meiner Schullaufbahn beobachten. Ich habe nie Karteikarten zum Lernen gemacht
(steht doch schon in den Unterlagen, warum also noch einmal abschreiben?), ich
habe, wenn es sich vermeiden lies, nie auswendig gelernt (was manchmal sinnvoller
gewesen wäre). Lernen funktioniert bei mir rein übers Lesen, das dann von mir
aus auch mehrfach. Aber wehe, es wird langweilig, dann werde ich ungeduldig,
fange an, ineffizient zu werden und nerve meine Mitmenschen. Ganz schlimm wird’s
dann, wenn ich die Unterlagen auch noch schlecht finde. Ich verdeutliche das
mal am aktuellen Beispiel, das diesen Blogpost ausgelöst hat.
Thema: Ausbildereignungsprüfung (AdA-Schein), schriftlicher
Teil, Prüfungstermin: Montag, 4. Februar.
10 Tage vor der Prüfung: Letzter Lehrgangstag, die ersten
lernen schon wild, haben sich teilweise frei genommen fürs Lernen. Theoretisch
steht mir ein Tag prüfungsfrei zu, überlege, den am Freitag vor der Prüfung zu
nehmen, vorausgesetzt, ich bekomme Prüfungsurlaub genehmigt. Ich habe bisher die
Unterlagen (1 schmaler Order, handschriftliche Notizen und ein Lehrbuch) selbstverständlich
komplett ignoriert, der soziale Druck setzt aber so langsam ein. Zu Schulzeiten
hätte ich noch mindestens eine Woche gewartet, bevor ich angefangen hätte, aber
ich bin anscheinend motiviert und fange abends an, das Buch durchzuarbeiten
(heißt bei Karina: lesen und (sparsam) markieren, ein paar Randnotizen
vielleicht)
9 Tage vor der Prüfung, Samstag: neben Brot backen etc.
schaue ich auch mal ins Buch, nachmittags fahren wir nach Beelen, im Auto lese
ich weiter, schaffe es bis zum Dunkelwerden immerhin bis zum Ende des dritten
von vier Kapiteln
Sonntag bis Mittwoch: anderes bzw. viel zu tun auf der Arbeit, keine
nennenswerten Fortschritte, immerhin abends das Buch zu Ende gelesen
Donnerstag: immerhin eine halbe Stunde Luft gehabt, um mit
dem Ordner anzufangen
3 Tage vor der Prüfung, Freitag: relativ ruhig, anderthalb
Stunden tagsüber für den Order Zeit gehabt, dabei die ersten Aggressionen
bekommen, als ich die Unterlagen des Handlungsfeld 3 durchgelesen habe:
redundant, teilweise widersprüchlich, wenig strukturiert, ich mochte den
Dozenten nicht (hat mich gelangweilt) und relativ viel Vorwissen (um nicht zu
sagen Mehrwissen) meinerseits, abends zu Hause die Unterlagen komplett einmal
durchgearbeitet
2 Tage vor der Prüfung: Karina hat keine Lust mehr, hier setzt
jetzt der oben genannte Punkt ein, bin der Meinung alles Wesentliche zu wissen,
das führt dazu, dass ich mich andauernd ablenken lasse oder aktiv selbst ablenke;
hat länger gedauert, aber ich habe trotzdem alles gemacht, was ich mir
vorgenommen hatte, danach die pure Erleichterung
Sonntag, 1 Tag vor der Prüfung: Die Tatsache, dass ich
diesen Text schreibe, sagt eigentlich alles aus, ich werde es gleich noch
einmal durchblättern, um dem Gewissen genüge zu tun, aber das muss definitiv reichen,
wird es auch. Sage ich jetzt :D